02. Qualität des Wassers

 

1. Berichte aus früheren Jahrhunderten In der uns vorliegenden Literatur fanden wir folgendes Interessante über die Wasserqualität und insbesondere über die Bier-Qualität im 17. Jahrhundert. Die Stadt Rauschenberg besaß für die Dörfer des Amtsbezirkes allein das Recht, Bier zu brauen, das stets von hier bezogen werden musste. Schriftsteller des 17. Jahrhunderts rühmten Rauschenberg wegen seines gesunden Wassers und Bieres. Bei Bromm (1889, S. 57 f.) fanden wir Hinweise auf Winkelmann (aus 1697): „...das aus einem Felsen quillende Wasser allhier gebrautes Bier ist seiner Gesundheit halber in besonderem Ruf. ...“ Und nach Bromm schreibt Winkelmann an einer anderen Stelle: „... maßen an etlichen Orten sehr gutes Bier gebrauen wird, bevorab ist das Rauschenberger berühmt, welches das Haupt mit Dünsten als andre thun, nicht füllet, den Stein und Gries treibet, daß man auch bey Menschengedenken in diesem Städtlein niemanden befanden, welcher an dem Stein hätte Noth gelitten.“ Der schlesische Arzt und Geschichtsschreiber Joh. Jonstonus gedenkt ebenfalls dieses Bieres, und der etwas frühere Happel (1690) schreibt (Bromm, S. 57): „... und were allerdings gewiß, daß selbiges Brunnenwasser ein bauchblähsiges (d.h. an Athemnoth leidendes) Pferd in wenigen Tagen curirte: dahero solches Bier wegen seiner besonderen guten wirkung bey fürstlicher Tafel zu Cassel getrunken würde.“ Noch früher heißt es in der Rentereirechnung von 1666 (lt. Bromm, S. 58) : „... 7 fl.1 für 3,1/2 Ohm2 Rauschenberger Bier, so sei bei Anwesenheit unserer gnädigsten jungen Herrschaft zu Marburg verspeiset worden.“ Dieses damals so gelobte Felsenwasser wird in unserer Stadt heute nicht mehr getrunken oder zum Bierbrauen benutzt. Heute erhält Rauschenberg, wie schon erwähnt, aus Stadtallendorf stets gutes und von den Behörden ständig kontrolliertes Wasser. An dieser Stelle sei im Hinblick auf das vorgenannte „leidende Pferd“ vermerkt, dass in Rauschenberg das heimkehrende Vieh noch bis in unsere Zeit zum guten Wasser an die Tränke am Brauhaus geführt wurde und, wie Bromm (S. 53) ausführt, „... dass es auch ‚im Walde Trankstellen d.h. Quellen mit Bächelchen gab.’ “

 

1 Anm. der Verfasser: fl. Abkürzung für Florin, einer historischen Münze, erst aus Gold, später aus Silber.
2 Anm. der Verfasser: Flüssigkeitsmaß je nach Land verschiedene Größen, bei uns 1 Ohm = 150 Liter.

 

2. Und heute? Von der Stadtverwaltung erhielten wir folgende Information: „Das Wasserinstitut für Umwelt und Hygiene Marburg“, die für Rauschenberg zuständige staatlich anerkannte Untersuchungsstelle, teilte auch in jüngster Vergangenheit erneut mit, dass sich das Wasser in einwandfreiem Zustand befindet. Allgemein ist festzuhalten, dass die sichere Versorgung immer schwieriger wird trotz allen technischen Fortschritts und damit aufwendiger. Ab 1950 ist der Wasserbedarf ständig gestiegen, heute verbraucht jeder Einwohner im Schnitt 150 Liter am Tag.

 

Qualitaet des Wassers