34. Halsdörfer Sage vom Riemenschneider

 

Im benachbarten Halsdorf besaß der Amtsschulteiß ein größeres Bauerngut, das ihm vermutlich als Teil seiner Besoldung überwiesen war. Oft fuhr er von hier aus in die Dörfer seines Amtsbezirks.

Einst kommt er wieder einmal von Wohra her zurück. Zwei feurige Rappen ziehen die Kutsche, die sich in rasender Fahrt Halsdorf nähert. Im Dorfe Halsdorf führte damals noch keine Brücke über die Wohra; sie mußte in einer Furt durchfahren werden. Angesichts des durch starken Regen hoch angeschwollenen Baches scheuen die Pferde, werfen die Kutsche in die Wohra, und Riemenschneider ertrinkt in den Fluten, ehe Hilfe naht. - Soweit die Sage.

Im krassen Gegensatz dazu berichtet die Wirklichkeit folgendes über Riemenschneiders Tod. Der Auszug aus dem Totenbuche, Band III, der reformierten Kirchengemeinde zu Rauschenberg lautet wörtlich: „Am 2. August 1770 wurde begraben Herr Johann Riemenschneider, hoch fürstlicher Amtsschultheiß und Rentmeister allhier, starb sanft und Seelig den 31. Juli des Morgens 8 Uhr, alt 52 Jahre, 7 Monate, 3 Wochen, 7 Tage."