23. Katzen als Hexen

 

Ein Ernsthäuser Bursche diente als Soldat in Frankfurt und fuhr in Urlaub. In Marburg stieg er aus dem Zug und fand ein Fuhrwerk, das ihn mit nach Halsdorf nahm. Dort begrüßten ihn Freunde und Bekannte und kehrten mit ihm in einem Wirtshaus ein.

Erst in der Nacht trat er den Heimweg nach Ernsthausen an. Er kam bis an die Kreuzung bei der Petersburg. Da sprang eine große Katze auf ihn zu, spie zu ihm herauf und kratzte ihn. Der Soldat raffte einen Stock auf, der auf der Straße lag und schlug nach der Katze. Diese ließ sich aber nicht verscheuchen. Von allen Seiten eilten ihr andere große Katzen zu Hilfe, miauten fürchterlich und drangen immer wieder auf den Soldaten ein. Diesem wurde es ganz unheimlich zu Mute. Er, der sonst keine Furcht kannte, ergriff die Flucht und rannte nach Halsdorf zurück, verfolgt von der wütenden Katzenschar.

Glücklich erreichte er das erste Haus und schlug die Haustür hinter sich zu, ehe die ersten Katzen eintrafen. Diese versammelten sich inzwischen vor dem Haus und vollführten einen solchen Lärm, daß die Hausbewohner, welche sich schon zur Ruhe begeben hatten, erwachten. Sie fanden den verstört aussehenden Soldaten hinter der Haustür stehen. Nachdem er ihnen sein seltsames Erlebnis erzählt hatte, merkten sie, daß es hier nicht mit natürlichen Dingen zugehe. Sie luden den Soldaten ein, bei ihnen zu übernachten, was er gerne annahm. Fast die ganze Nacht hindurch lärmten die Katzen noch auf dem Hofe und störten die Bewohner des Hauses in ihrer nächtlichen Ruhe. Erst am nächsten Tag trat der Soldat den Heimweg an. Zu Hause erkrankte er an der ausgestandenen Angst und starb nach drei Tagen.