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Grußwort des Bürgermeisters

Bürgermeister Michael Emmerich

 

Liebe Internetnutzer, ich heiße Sie herzlich Willkommen auf den Seiten der Stadt Rauschenberg, der Familienstadt mit Herz. Weiter

Back to the roots

 

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Das war ein Eintauchen in die letzten 100 Jahre des vergangenen Jahrtausend. Da standen sich zwei Menschen unterschiedlicher Generationen zu tiefst emotional berührt gegenüber und meinten, die Zeit wäre stehen geblieben.

Die Beiden waren der 9o jährige Rauschenberger Wilhelm Wissemann und der 29 jährige Joshua Stiefel. Der Ältrere sah im Jüngeren Lothar Stiefel wieder, mit dem er die ersten Lebensjahre zusammen in Rauschenberg verbracht hatte, bevor dessen jüdische Familie 1938 Haus und Hof verkaufen mussten, um vor dem nationalsozialistischen Terror zu flüchten.

„Seine Gesichtszüge gleichen dem Großvater Lothar Stiefel völlig; ich bin tief bewegt, diese  Wiederbegegnung' erleben zu dürfen!", so Wissemann. Den Tränen nah, im Hof des ehemals großelterlichen Anwesens, des Schuhgeschäftes „Sußmann Stiefel" in der Blauen Pfütze, nahm Josuha vorurteilslos alle Informationen auf und konnte kaum glauben, dass sein Gegenüber jetzt auch noch ein Klassenfoto aus der 1.Klasse hervorzauberte auf dem Wilhelm und Lothar in der ersten Reihe abgebildet waren. Sie waren Freunde und Spielkameraden.

Vorbereitet wurde die Begegnung von Ludwig Pigulla, der im Auftrag des Bürgermeisters M.Emmerich, viele Quellen der deutschen Mitbürger jüdischen Glaubens zusammengetragen hatte. Er erstellte eine Stadtkarte, in der alle im jüdischen Besitz befindlichen Anwesen farblich hervorgehoben waren, die dann in der Nazi-Diktatur eilends von den Familien weit unter Preis, wie es Rechnungsbelege ausweisen, verkauft wurden, um die Flucht ins Ungewisse zu ermöglichen. Allen, denen dies nicht gelang, endeten in Vernichtungslagern, wie dies eindrucksvoll wissenschaftliche Arbeiten (u.a.A.Schneider,  B. Händler-Lachmann) dokumentieren.

Nach der Begrüßung der Gäste am Montag, dem 13.Juli 2015, im Rathaus, bei dem Joshua Stiefel von seiner deutschen Promotionskollegin Steffi Knall aus New York begleitet wurde, übergab er zunächst Willkommensgeschenke und vertiefte sich anschließend sofort in die für ihn vorbereiteten Materialien, in denen u.a. die Ahnentafel n seiner Familie Stiefel/ Plaut / Sußmann) zu finden waren.

Als bald stand der Rundgang an, der zu markanten Plätzen jüdischen Gemeinwesens in der Stadt Rauschenberg führte: Synagoge, Badehaus, Scheune mit hebräischer Inschrift jüdische Schule, und Häusern der Familien jüdischen Glaubens.

Emotionaler Höhepunkt in der Blauen Pfütze, war das Großelternanwesen, in dem der jetzige Eigentümer Schuhmacher Kurt Balzer bereitwillig die Türen öffnete und die ursprüngliche Gestaltung des Schuhgeschäftes „Sußmann Stiefel" darstellte.

Zwei Häuser weiter, in „Kattens Hob", waren die Gäste beeindruckt von der denkmalschutzpreisgewürdigten ehemaligen jüdischen Hofreite, die von dem Eigentümer Markus Semmler erklärt wurde. Dabei konnten schriftliche Zeugnisse des „Zwangsverkaufes" eingesehen werden, die das fast 80 Jahre zurückliegende deutlich werden ließen.

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Abschluss fand die Begegnung im gemeinsamen Besuch des jüdischen Friedhofes vor den Toren der Stadt. Joshua Stiefel bedeckte sein Haupt mit der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung ( Kippa) und sank förmlich ehrfurchtsvoll vor den Grablegungen seiner Vorfahren in die Knie. Alle spürten in der friedlichen Aura dieses Platzes eine tiefe Dankbarkeit, diesen Schritt zurück in die Vergangenheit gemeinsam gewagt zu haben. Es war, wie der Amerikaner es ausdrückt, eine Reise „back to the roots" (Zurück zu den Wurzeln).

Text Ludwig Pigulla