Zum 100. Geburtstag von Fritz Walter

DGerhard Badouiner Schwabendorfer Gerhard Badouin erinnert sich an das Fußballspiel mit Fritz Walter und dem 1. FC Kaiserslautern am 2. August 1952 in Kirchhain

Am 31. Oktober 2020 wäre Fritz Walter, Ehrenspielführer der deutschen Fußballnationalmannschaft, 100 Jahre alt geworden. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 1954 in Bern Weltmeister durch einen 3:2 Sieg gegen den damaligen Favoriten Ungarn. Dieser Sieg ging als „Wunder von Bern“ in die deutsche Fußballgeschichte ein. Mit seinem 1. FC Kaiserlautern und der nach ihm benannten „Walter-Elf“ wurde er zweimal Deutscher Fußballmeister. Später ging er auch als Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft in die Fußballgeschichte ein. Insgesamt 61 Länderspiele bestritt er für Deutschland. Der Betzenberg in Kaiserslautern trägt heute den Namen „Fritz-Walter-Stadion“. Viele wissen nicht, dass Fritz Walter im Jahre 1952 mit seinem 1. FCK auch einmal auf dem Kirchhainer Sportplatz seine Fußballkünste zeigte. Ein Jahr vorher war der 1. FCK Deutscher Fußballmeister geworden.

Am 2. August 1952 trat der 1. FC Kaiserslautern gegen Hessen Kassel, damals in der zweiten Liga Süd, an. Dies war der sportliche Höhepunkt der 600-Jahr-Feier der Stadt Kirchhain. 12.000 Zuschauer umsäumten den Sportplatz, einer von ihnen war der Schwabendorfer Gerhard Badouin, der sich gut an dieses emotionale Ereignis erinnert:

„1952, als kleiner Junge, habe ich dieses Spiel in der Tat verfolgen können, und das kam so: Mein Vater, der in Schwabendorf eine Schreinerei hatte, hatte einen damals üblichen Lieferwagen, einen „Goliath“ als Dreirad. Mein Vater hatte die Eigenschaft, zu besonderen sportlichen Aktionen auch mal mit dem Dreirad hinzufahren, zum Beispiel zum Schottenring, wo Motorradrennen stattfanden oder in diesem Fall auch nach Kirchhain, als die Fritz Walter-Elf gegen Hessen Kassel gespielt hat. Und das war dann oft so, dass auf der Ladefläche hinten unter dem Verdeck ein paar Strohballen deponiert wurden und auf diesen Strohballen saßen dann noch sechs oder acht Schwabendorfer, die mit uns nach Kirchhain gefahren sind. Ich als kleiner Junge, sieben Jahre alt damals, habe die Gelegenheit bekommen, ziemlich vorne vor den Erwachsenen zu sitzen, entlang der damals kleinen Laufbahn nur wenige Meter, vielleicht 20 Meter, von den Mannschaften entfernt, die dann eingelaufen sind, und habe so dieses wunderbare Spiel verfolgen können. Es ist bei mir im Gedächtnis geblieben bis in die heutige Zeit. Fritz Walter war für mich von dem Tag an ein Idol bis in seine Zeit in der Nationalmannschaft, was sich natürlich über das Endspiel 1954 hinaus fortgesetzt hat.

Aber das ist damit noch nicht zu Ende. Ich habe ja als Schwabendorfer Fußballspieler in den 80er Jahren dann die Gelegenheit gehabt, mit unserer Mannschaft gegen eine Traditionsmannschaft spielen zu können, und in dieser Traditionsmannschaft spielte tatsächlich auch dann der damals jüngste Lauterer aus der Mannschaft der „Roten Teufel“, der Horst Eckel. Und nach dem Spiel habe ich die Gelegenheit genutzt, mich neben Horst Eckel setzen zu können, und ich spreche ihn an „Hör mal Horst, ich habe Euch schon mal als kleiner Junge hier in der Region Fußballspielen sehen, damals in Kirchhain gegen Hessen Kassel.“ „Ja“, sagt Horst Eckel, „ich kann mich gut erinnern an dieses Spiel, in dem ich sogar ein Tor geschossen habe“. Das war mir nicht mehr in Erinnerung, ich wusste nur noch, dass Fritz Walter damals einen Elfmeter versenkt hatte.

Für mich hatte sich mit Horst Eckel zu diesem wunderbaren Erlebnis aus 1952, das ich bis heute im Gedächtnis behalten habe, ein Kreis geschlossen.“

Text und Interview: Herbert SchildwächterFCK 52

Fritz Walter mit dem 1. FCK und Hessen Kassel beim Einlauf zum Spiel am 2. August 1952 auf dem Kirchhainer Sportplatz