05. Judenbad in früheren Zeiten

 

Durch alte Aufnahmen, Zeichnungen und Malereien ist uns auch heute noch bekannt, dass die jüdische Bevölkerung in Rauschenberg ein „Judenbad“, eine sogenannte Mikwe, besaß. Detail-Ansicht aus obigem Gemälde Das Rauschenberger Bad befand sich (seit wann, ist nicht bekannt) an der Ecke Auf der Bach/ Am Schwitzenberg, hinter dem heute dort befindlichen Transformatoren-Häuschen. In der 725-Jahr Chronik (S. 52) ist zu lesen, dass dort noch nach dem 1. Weltkrieg ein spezielles Badehaus für die jüdische Gemeinde stand. Zwar wissen wir von einem uns vorliegenden Foto, dass sich das Judenbad an der bezeichneten Stelle befand. Da dieses Foto aber für eine Reproduktion ungeeignet war, freuten wir

 

Rauschenberg Judenbad

Detail Ansicht Judenbad

 

uns, auf ein von der Malerin Emma Tichy um 1900 gemaltes Bild von Rauschenberg zu stoßen. Von diesem sich im Besitz der Familie Renate und Walter Gamb befindlichen Ölgemälde stammt die Reproduktion, bei der das Rauschenberger Judenbad links unterhalb der Pumpstation als kleines, weißes Gebäude sichtbar ist. Nach den uns vorliegenden Informationen handelt es sich bei einem Judenbad, bei einer Mikwe, um ein „Ritualbad“, das an einer tiefgelegenen Stelle in der Nähe einer Quelle oder eines fließenden Gewässers gebaut wird. Das Wasser einer Mikwe muss reinstes lebendiges Wasser sein. Daher wurde vielerorts eine so genannte Grundwasser-Mikwe gebaut, die meist unter der Erde auf der Höhe des lokalen Grundwasserspiegels eingerichtet wurde. Der Besuch der Mikwe ist nach orthodoxer Tradition vorgeschrieben, wenn eine verheiratete Frau ihre Menstruation oder eine Entbindung hinter sich gebracht hat. Den ersten Besuch in der Mikwe absolviert die Frau als Braut, meistens am Vorabend des Hochzeitstages. Dieses Ereignis feiert sie mit Freundinnen und weiblichen Mitgliedern der Familie. Die Braut wird beim Eintauchen mit Bonbons beworfen und besungen. Die Mikwe wird in traditionellen Kreisen auch von Männern vor Beginn des Schabbats oder von Feiertagen zum Untertauchen benutzt. Zur Illustration einige Bilder von Mikwen in anderen Orten.

 

Bauprinzip Mikwe

Einfache Mikwe

 

Möglicherweise hat es auch schon viel früher ein Judenbad in Rauschenberg gegeben. Im Kataster-verzeichnis für das Gebiet „Auf dem Tann“ (in der Nähe des Fuchse-Treppchens an der Sindersfelder Straße) heißt eine Parzelle „Judenbad“. Da es nachweislich schon 1660 jüdische Familien (u.a. so genannte Schutz-Juden, die Steuern zahlen mussten) in Rauschenberg gab, ist dieser Gedanke an ein Judenbad zu dieser Zeit nicht ganz abzuweisen. In Chroniken war nichts zu diesem Thema zu finden.