28.1. WERWOLFSAGEN

 

Wie der Glaube an die Hexen, so war auch der an die Werwölfe in unserer Gegend verbreitet.

Das Wort Werwolf bedeutet „Mannwolf" oder „Menschwolf"*. Der Wolf ist ein Mensch, der seine Gestalt durch Anlegen eines vom Teufel erhaltenen Wolfshemdes oder Wolfsgürtels von dem gegerbten Fell eines ungeborenen Kalbes oder Esels, in die eines Wolfes verwandelt hat. Der Werwolf fällt alles an, was ihm in die Quere kommt, besonders die Herden, die draußen weiden. Findet er kein entsprechendes Opfer, so versucht er den nächtlich Heimkehrenden so manchen Schabernack zu spielen.

Doch es gibt Mittel, die Zauberkraft des Gürtels zu vernichten. Trifft man mit einem Werwolf zusammen, so ist es ratsam, ein Messer oder einen blanken Stahl über ihn hinwegzuwerfen. Auch Gegenstände, in denen sich drei Kreuze befinden erfüllen den gleichen Zweck. Augenblicklich steht der Werwolf nackt in seiner menschlichen Gestalt da.

Von besonders übel beleumundeten Personen erzählt man, dass sie die Fähigkeit besäßen, sich in einen solchen Wolf zu verwandeln. Abergläubische Menschen scheuten sich daher, allein einsame Wege zu gehen. Da man wusste, dass Werwölfe besonders gefräßig waren, versuchte man sie durch Vorwerfen von Nahrungsmittel von sich abzuhalten.

*„Wer“ — ahd. wer, lat. vir — der Mann; Werwolf — Menschenwolf