65. Räuber in der Haingrundsmühle

 

(im oberen Josbachtal)

An der oberen Josbach liegt im engen Tälchen ein altes, kleines Mühlchen, die Haingrundsmühle. In alter Zeit wohnte in ihr ein Müller, der die Gabe besaß, die Menschen an einem Ort bannen zu können.

Als er eines Nachts noch in der Mühle tätig war, drangen vier geschwärzte Räuber ein. Laut riefen sie dem Müller zu: „Gib dein Geld her, oder wir schlagen dich tot!" Der Müller aber blieb ganz ruhig und sagte: „Nur sachte! Erst esst und trinkt euch tüchtig satt, dann stehlt so viel ihr wollt." Nun trug er auf: Butter, Brot, Wurst, j Schinken und eine Flasche Branntwein. Er nötigte die Räuber an den Tisch.

Schon hatten diese Messer und Gabel gefasst, um richtig einzuhauen. Aber im nächsten Augenblick saßen sie wie gelähmt am Tisch, unfähig ein Glied zu rühren. Doch lief ihnen beim Anblick des reich gedeckten Tisches das Wasser im Munde zusammen. Der Müller hatte seine Zauberkraft gebraucht und die Räuber fest gemacht.

Nun trat der Müller in die Tür und rief dem Müllerburschen zu: I „Hol' mir eine Schüssel mit Wasser, die Kerle haben sich noch nicht gewaschen!" Der Mahlbursche brachte die Schüssel mit dem verlangten Wasser. Kaum hatte der Müller das Gesicht des ersten Räubers ein wenig gewaschen, so rief er aus: „Ein, Hannes, du bist's; das ist aber fein!" So wusch er die Gesichter der vier Räuber und erkannte sie alle. Dann rief er ihnen zu: „Nun aber schnell, macht, dass ihr fortkommt und lasst euch sobald nicht wieder sehen!"

Jetzt konnten die Räuber ihre Glieder wieder gebrauchen und rannten spornstreichs zur Mühle hinaus. Die Lust zum Stehlen war ihnen aber auf immer vergangen.