47. Der Schimmelreiter in der Ebersbach

47. Der Schimmelreiter in der Ebersbach

Vor der Ebersbach besaß ein Rauschenberger Bürger eine Wiese. Zur Zeit der Grummeternte ging er eines Morgens früh hierhin, um zu mähen. Als er auf seiner Wiese eintraf, war es noch so dunkel, dass er zum Mähen nicht genügend sehen konnte. Daher legte er sich auf des Nachbarn Wiese in einen Grummethaufen, um noch ein wenig auszuruhen.

Da schreckte er aus seinem Sinnen auf. Aus der Ebersbach kam ein Reiter auf einem Schimmel auf ihn losgeritten, der an den Bauersmann die seltsame Frage stellte: „Bist du von Gott oder vom Teufel?" Der so Angesprochene antwortete: „Von Gott". Darauf forderte ihn der Reiter auf: „Reich mir die Hand und erlöse mich!" Dem Bürger wurde es unheimlich. Er reichte dem Schimmelreiter statt der Hand den Griff des Sensenbaumes, der alsbald in hellen Flammen stand. Nun entfernte sich der Reiter, und unser Bürger hörte noch, wie er im Fortreiten klagend rief: „Flicks, Flachs, Federvieh dutt meiner ormen Seele wieh!"

Der geschichtliche Hintergrund dieser Sage ist folgender:

Einst lebte hier ein Bürger, der einen Handel mit Flachs, Federvieh und anderem trieb und dabei seine Mitbürger häufig übervorteilte. Darum konnte kein Segen auf seinem Geschäft ruhen und Erfolg blieb ihm versagt. So kann es uns nicht wundern, dass er durch Erhängen an einem Baum in der Ebersbach seinem Leben ein Ende bereitete.

Seine Seele findet keine Ruhe. Späten Wanderern erscheint in der Gegend der Ebersbach häufig ein Fußgänger, der den Kopf unter dem Arm trägt oder ein Schimmelreiter, um in den Klageruf auszubrechen: „Flicks, Flachs, Federvieh dutt meiner ormen Seele wieh!" Auch der Ruf: „O Ebersbach, o Ebersbach, du hast mich um mein Leben gebracht" ist schon oft gehört worden.