43. Der Tote vor dem Altar

 

Die Wolferöder Kirche ist eine Fachwerkkirche mit einem mächtigen sechskantigen Dachreiter mitten auf dem Kirchendache. Die Spitze ist eine nachtmützenartige gestaltete Kuppel. Von diesem Gebäude geht folgende Sage.

Eine gemischte Gesellschaft saß in Wolferode am Abend nach 10 Uhr noch beisammen, da vermaß sich ein Mädchen, es wolle aus der Kirche das Tuch vom Altar holen. Es begab sich auch sogleich dorthin. Aber da stand vor dem Altar ein Toter mit dem bekannten eingefallenen spitzen Gesicht der Gestorbenen. Er hatte eine weiße Mütze auf dem Kopf und versuchte das Mädchen am Wegnehmen des Tuches zu hindern. Da ermannte sich dieses, riß ihm die Mütze ab und eilte mit ihr davon. Am nächsten Abend hörte es das Mädchen am Fenster klopfen. Eine Stimme beschwor und bedrohte es, die Mütze wieder dahin zu bringen woher es sie genommen, sonst werde ihm der Hals umgedreht. Das Mädchen nahm sich angstvoll eine ganze Anzahl Wolferöder Burschen zur Begleitung mit. Zwei die vorn gingen hatten es in der Mitte und führten es zum Altar. Da stand wieder der Tote und hielt still, als ihm das Mädchen die Mütze aufsetzte. Dann begab sich der Zug wieder zur Kirche hinaus. Beim Heraustreten aus der Kirchentür stürzte das Mädchen plötzlich zusammen. Der Tote war wie der Blitz hinter ihm hergeeilt und hatte ihm an das Genick gegriffen. Das Mädchen starb vor der Kirche.