38. Wie Riemenschneiders Geist gebannt wurde

 

Riemenschneiders Seele konnte keine Ruhe finden und spukte im Keller der alten Oberförsterei. Nachts erschien sie den Bewohnern der benachbarten Häuser, um sie zu ängstigen. Als die Be-lästigungen immer schlimmer wurden, wandten sich die Anlieger an den katholischen Pfarrer eines Nachbardorfes, damit dieser den Geist banne.

Der Pfarrer kam auch, beschrieb einen Kreis im Flur der Oberförsterei, sprach kräftige Beschwörungsformeln und zwang den Geist Riemenschneiders in diesem Kreise zu erscheinen. Dann forderte er ihn auf, für immer aus der Oberförsterei und aus Rauschenberg zu verschwinden und zur Hölle zu fahren. Der Geist aber sträubte sich und meinte, auch der Pfarrer habe gesündigt und dem Müller die Rüben auf dem Acker gestohlen. Der Pfarrer erwiderte, er habe nicht gestohlen, denn er habe für jede ausgezogene Rübe einen Pfennig auf den Acker gelegt. Erst auf diese Aussage hin fand sich der Geist Riemenschneiders bereit, für immer zu verschwinden.