35. Riemenschneiders Tod

 

(1. Lesart)

Riemenschneider ging eines Tages noch spät abends am Schloßberg spazieren. Er kam auf die Westseite des Berges, ging den Abhang hinunter in das Tälchen, das man „Biegrabe" nennt. Dort befand sich ein tiefes Loch, das teilweise mit Wasser gefüllt war. In der bereits eingebrochenen Dunkelheit stürzte Riemenschneider hinein und ertrank. Als er am anderen Morgen immer noch nicht in seine Wohnung zurückgekehrt war, vermutete seine Familie, daß ihm ein Unglück zugestoßen sei. Die Bürger der Stadt begaben sich auf die Suche und durchstreiften Wald und Feld. Doch vergebens. Erst nach drei Tagen fand ein Wanderer durch Zufall seinen Leichnam. Der Tümpel, aus dem man den toten Riemenschneider zog, heißt seit dieser Zeit „Riemenschneiders Loch".