17. Vom Hexenmeister

17. Vom Hexenmeister

In alter Zeit lebte in Rauschenberg ein Hexenmeister, der ein Zauberbuch mit vielen Zauberformeln besaß. Wenn er in dem Zauberbuche las und die Zauberformeln vor sich hinmurmelte, konnte er hexen. Vor seiner neugierigen Frau musste er das Buch besonders verbergen, da diese immer wieder versuchte ebenfalls daraus zu zaubern. So verschloss der Hexenmeister nach dem Lesen das Buch sorgfältig in einem Geheimfach der alten Truhe, von dem nur er wusste.

Eines Tages passierte es jedoch, dass der Zauberer, der sich auch auf das „Holen" von Kälbern verstand, zu diesem Behufe dringend in der Nachbarschaft verlangt wurde. In der gebotenen Eile vergaß er aber das Zauberbuch in der Truhe zu verschließen. Die Frau, die schon lange auf eine solche Gelegenheit gewartet hatte, fand es, schlug es auf und las darin. Kaum hatte sie einige Sätze vor sich hin gelesen, da schwirrte es plötzlich in der Stube. Eigenartige schwarze Wesen, halb Vögel, halb Schweine füllten den Raum. In ihrer Verzweiflung rief sie ihren Mann herbei. Dieser nahm das Buch und las die Stelle, die vor ein paar Minuten seine Frau gelesen hatte, rückwärts. So schnell wie der ganze Spuk gekommen war, war er auch wieder verschwunden.