08. Die weiße Jungfrau im Burgkeller zu Rauschenberg

 

Einmal spielten drei Jungen aus Rauschenberg oben bei der Ruine. Während des Spiels stiegen sie auch in den Burgkeller hinab. Dabei fiel einer der Knaben in ein tiefes Loch des Kellers. Vergebens war sein Bemühen, sich aus der Vertiefung emporzuarbeiten. Die beiden anderen Kinder liefen eilend fort, um die Eltern des Verunglückten zur Hilfe herbeirufen.

Inzwischen klagte und jammerte der Knabe in seinem Loche und weinte laut. Auf einmal fühlte es sich in die Höhe gehoben und auf den Armen getragen. Eine weißgekleidete Jungfrau war es, die ihm liebreich tröstend zusprach. Sie trug ihn durch einen schier endlosen Gang aus der Erde hervor. Die Jungfrau beschenkte den Jungen reichlich mit Münzen, zeigte ihm den rechten Weg nach Rauschenberg und verschwand. Glücklich kam er im Elternhaus an. Bei seinem unerwarteten Anblick war der Jubel der Eltern und Geschwister groß.

Die beiden Kameraden hatten nach dem Unglücksfall im Schloßkeller die Eltern dorthin gerufen, aber von ihrem Jungen war nichts zu sehen und zu hören gewesen. Ganz verzweifelt waren die Eltern in ihr Haus zurückgekehrt, wähnend, dass böse Geister ihr Kind entführt hätten. Umso größer war nachher ihre Freude, als sie ihr Kind gesund und wohl wieder hatten.