Wappen und Siegel der Stadt Rauschenberg

Museumsschriften Titelbild

 

Rauschenberger Museumsschriften

Beiträge und Mitteilungen des Rauschenberger Museums

zur Geschichte, Landschaft und Volkskunde

2/1997

Gerhard Trost

Wappen und Siegel

der

Stadt Rauschenberg

Herausgeber: Verkehrs- und Verschönerungsverein

Rauschenberg E.V.

 

Wappen und Siegel der Stadt Rauschenberg

Allgemeines

Der Name „Wappen“ kommt aus dem Mittelhochdeutschen (sprachliche Epoche etwa von 1050 bis 1350) und bedeutet eigentlich „Schildzeichen“. Es sind meist farbige Abzeichen, die eine Person, Familie, Körperschaft und Institution repräsentieren.

Während dem 12. Jahrhundert ein Wappen aus Schild, Helm und Helmzier bestand und den gerüsteten Ritter als Kennzeichen der Waffenführenden und ihrer Familien unterschied, wurde es später Symbol von Adels- und Bürgerfamilien, aber auch von Staaten, Kirchen, Städten und Gemeinden.

Seit dem 13. Jahrhundert werden nach bestimmten Regeln der Wappenführung (Heraldik) Wappenverzeichnisse (Wappenrolle, Wappenbuch) als Hilfsmittel zur Identifizierung der Wappen geführt.

Ab dem 14. Jahrhundert wurden Wappenbriefe nur durch den Kaiser, Landesherrn oder Fürsten verliehen. Heute ist das Wappenrecht mit dem Namensrecht gleichgestellt und bedarf der Genehmigung der jeweiligen Regierung.

Für die Stadt Rauschenberg erfolgte die Erstverleihung eines Stadtwappens mit der Verleihung der Stadtrechte 1266 durch den Grafen von Ziegenhain. Mit einer solchen Auszeichnung verbunden, erfolgte dann auch die Genehmigung zur Führung eines Stadtsiegels, im Falle von Rauschenberg: das große Reitersiegel, mit dem alle städtischen Verwaltungsanordnungen von da an amtlich beglaubigt wurden.

Ein Siegel bestand meistens aus einem Metallabdruck an einem Griff (Petschaft) mit eingravierten Merkmalen der jeweiligen Herrscher oder Institutionen und hatte rechtliche Bedeutung auf Urkunden als amtliches Beglaubigungsmittel. Das amtliche Siegel wurde mit Schnüren an die Urkunde angehängt. Zur Versieglung benutzte man farbloses oder eingefärbtes Wachs, auf welches das Siegel gedrückt wurde. Außer bei Urkunden, die auch jetzt noch gesiegelt werden, benutzen heute Behörden amtliche Behördenstempel (aus Gummi, Kunststoff oder Metall) mit dem Charakter eines Siegels.

Das Rauschenberger Wappen

Das erste verliehene Wappen der Stadt Rauschenberg weicht von der Art mehrerer ehemaliger zur Grafschaft Ziegenhain gehöriger Städte ab. Beispielsweise Gemünden, Schwalmstadt- Treysa, Neukirchen, Schwarzenborn, die alle eine Ziege und einen Hahn am Schilde haben. Das Rauschenberger Wappen jedoch zeigt einen durch einen Querbalken geteilten Schild, das untere Feld ist von oben nach unten halbiert, im oberen nicht halbierten Feld steht ein achtstrahliger Stern. Die Ziegenhainer Grafen führten in ihrem Wappen ein sechsstrahligen. Farblich beschreibt Wessel (1623) das Rauschenberger Wappen so: „Der Balken ist silbern, das Feld darüber, welches den Stern hat, schwarz, von dem halbierten Felde darunter ist die heraldische rechte Seite (linke Hälfte vom Beschauer) ebenfalls schwarz, die linke (rechte Hälfte vom Beschauer) silbern“. Wilhelm Wessel hat in seinem Wappenbuch unter jedes seiner abgebildeten Wappen einen Spruch in lateinisch und deutsch gesetzt. Unter dem Rauschenberger steht folgender Doppelvers:

„Fulgentemque trabem fert Rauschenberga nitentem, et stellam in nigro desuper illa gerit“

„Rauschenberg ihren Balken führt, welchen ein klarer Stern auch ziert. Bestand in Sachen, diese Pflicht wer ihm nachkömpt, vergehet nicht. „

Das ab 1266 geführte Wappen:

Einen durch einen Querbalken geteilten Schild, das untere Feld ist von oben nach unten halbiert, im oberen nicht halbierten Feld steht ein achtstrahliger Stern. (aus Hans-Enno Korn: „Die Hessischen Städtewappen aus Wilhelm Wessels Wappenbuch von 1623)

Wappen und Siegel

Seit 1347 erscheint das bisherige dreigeteilte Wappen zweigeteilt. In von Schwarz und Gold geteiltem Schild oben ein achtstrahliger Stern. Das Wappen ist bei Dilich (1605), Meißner (1623) und Merian (1650) abgebildet (Stiche befinden sich im Heimatmuseum).

Während bis heute die Zweiteilung des Wappens von Schwarz und Gold beibehalten wurde, wird jedoch der bisherige achtstrahlige Stern im oberen Feld in einem sechsstrahligen geändert. Es wird nunmehr der von den Grafen von Ziegenhain geführte Stern übernommen. Die zeitliche Übernahme des sechsstrahligen Sterns ist nicht mehr feststellbar, es ist jedoch zu vermuten, dass mit dem Aussterben der regierenden Grafen von Ziegenhain und der landesherrschaftlichen Übernahme durch die Hessischen Landgrafen (1450) auch die Übernahme des Ziegenhainschen sechsstrahligen Sterns im Rauschenberger Wappen erfolgte.

Über dem von Philipp Soldan geschaffenen Bogenfeld des Rathaus- Treppenturmportals kann man den Rauschenberger und den Ziegenhainer Stern im Wappen des Landgrafen Philipp des Großmütigen finden. Auch an einem Strebefeiler der Rauschenberger Stadtkirche ist die sechsstrahlige und achtstrahlige Sternform zu sehen.

 

Der achtstrahlige Stern

"Abb. 2: Der achtstrahlige Stern im Wappen der Stadt. Aus: Die Hess. Städtewappen aus Wilhelm Wessels Wappenbuch v. 1623"

Hans-Enno Korn, Kassel 1984

 

 

Nach der Gebietsreform hat die Stadt Rauschenberg beim Hessischen Innenminister die Beibehaltung der bisherigen Wappenform mit dem sechsstrahligen Stern beantragt. Das Hessische Staatsarchiv Marburg hat in einer gutachtlichen Stellungnahme hierzu folgendes ausgeführt:

„Das Staatsarchiv erteilt diesem Wunsche der Stadt Rauschenberg seine Zustimmung, da

  1. auch andere, frühere Ziegenhainsche Städte und Orte (Gemünden an der Wohra, Neukirchen, Schwarzenborn) den sechsstrahligen Stern in ihren Wappen führen bzw. führten,

  2. eine Unterscheidung des Stadtwappens vom landesherrlichen Wappen, die bei der Schaffung und Annahme kommunaler und anderer Wappen in früheren Jahrhunderten manchmal, aber nicht immer, eine Rolle spielte, aus heutiger Sicht, zumal über 500 Jahre nach Aussterben der Grafen Ziegenhain, nicht mehr relevant und notwendig ist,

  3. im Übrigen auch der achtstrahlige Stern als landesherrliches, also gräflich Ziegenhainsches, Symbol angesprochen werden muss (vgl. Hessisches Ortswappenbuch S. 62 mit Nr. 153 Wappen der (ehemaligen) Stadt Ziegenhain!)

Die Reinzeichen des Stadtwappens wurden von dem Heraldiker Heinz Ritt, Bad Nauheim, angefertigt und sind in heraldischer und künstlerischer Beziehung einwandfrei. Das Staatsarchiv Marburg befürwortet daher den Antrag der Stadt Rauschenberg auf Genehmigung des Stadtwappens.

Die Wappenbeschreibung lautet:

„Das Wappen der Stadt Rauschenberg zeigt im von Schwarz und Gold geteiltem Schild oben einen sechsstrahligen Stern.“

Auf Grund dieser gutachtlichen Stellungnahme des Staatsarchivs Marburg hat der Hessische Innenminister 1989 die Genehmigung des Stadtwappens in der oben geschilderten Form genehmigt.

 

jetziges Wappen Stadt Rauschenberg

 "Abb. 2: jetziges Wappen der Stadt Rauschenberg"

 

 

Das Rauschenberger Stadtsiegel

Das erste verliehene Stadtsiegel war „das große Reitersiegel“ durch den Grafen von Ziegenhain 1266 und galt gewöhnlich als Würdigung größerer städtischer Freiheiten und Rechte.

Das große Reitersiegel zeigt als Ritter den Grafen von Ziegenhain (Landesherrn), der am linken Arm den Ziegenhainer Wappenschild trägt und in der Rechten ein Schwert schwingt (Zeichen des landesherrlichen Schutzes). Den Helm zieren 11 Steckrosen.

Die Umschrift des Siegels lautet: „S. (sigilum) Universitatis Civiu I. (in) Rauschenberg“. Leider ist das Originalsiegel nicht mehr vorhanden. Im Stadtmuseum ist lediglich eine Kopie des damaligen Siegels ausgestellt.

 

Reitersiegel

"Abb. 3: Das große Reitersiegel"

 

Ab 1347 zeigt das Siegel in einem berankten Siegelfeld ein geteiltes Sternenschild mit Ziegenadlerrumpf geschmückt. In diese Abbildung erscheint das Wappen auch im Bogenfeld des Rathaus-Turmeinganges von der Hand Philipp Soldans.

In dem ab 1641 geführten Stadtsiegel ist der obige Abdruck unverändert geblieben und wurde in dieser Form bis in das 20. Jahrhundert benutzt. Die Umschrift des Siegels lautet: „In Siegel der Stadt Rauschenberg“ Das Metallene Stadtsiegel befindet sich im Stadtmuseum.

 

Stadtsiegel

"Abb. 4: das ab 1641 benutzte Stadtsiegel"

 

 

  Heute führte die Stadt ein Siegel in der Form des jetzigen Wappens in folgender Darstellung:

„das Siegel der Stadt Rauschenberg zeigt im von Schwarz und Gold geteilten Schild oben einen sechsstrahligen silbernen Stern“

 

 

Literatur:

Hans-Enno Korn: Die Hess. Städtewappen aus Wilhelm Wessels Wappenbuch von 1623, Kassel 1984

Demand-Rennhoff: Hessens Ortswappenbuch, Glücksburg 1956

Jacob Hoffmann: Heraldische Abhandlung des großen Reitersiegels der Stadt Rauschenberg, Marburg 1873