Historische Zeittafel von Rauschenberg

Museumsschriften Titelbild

 

Rauschenberger Museumsschriften

Beiträge und Mitteilungen des Rauschenberger Museums zur Geschichte, Landschaft und Volkskunde

1/2004

Gerhard Trost

Historische Zeittafel von Rauschenberg

Herausgeber: Verkehrs- und Verschönerungsverein

Rauschenberg E.V.

 

 

Rauschenberger Zeittafel

8. Jh.          

Karolinger errichten nordöstlich des jetzigen Burgholz eine Befestigung, die Hunburg. Sie diente als Jagdhof des Kaisers und war Mittelpunkt des ehemaligen Reichgutes.

um 1000

Kloster Fulda erbt vom Reichsgut die Hunburg du die Gegend des späteren Amtes Rauschenberg.

Graf Gosmar I. von Ziegenhain und Reichenbach (1062-1117) wird als Schirmvogt der fuldischen Kirche eingesetzt.

Auf dem heutigen Schloßberg wird eine Burg errichtet, die Hunburg wird aufgegeben.

um 1100

Übergang der fuldischen Gerechtsamen um Rauschenberg in den Besitz der Grafen von Ziegenhain.

Der neue Mittelpunkt der Gegend verlagert sich immer mehr nach Rauschenberg.

Die Siedlung Rauschenberg entsteht.

1258

Ziegenhainer Besitz wird geteilt. Landesherr von Rauschenberg wird Graf Gotfried V. von Ziegenhain (1246 – 1271)

um 1250

In Rauschenberg wird eine Münzstätte errichtet. Hier werden die „Rauschenberger Pfennige“ geprägt.

1266

Die Siedlung Rauschenberg wird zu 2/3 durch Brand vernichtet.

Am 25. Mai 1266 wird Rauschenberg durch urkundliche Willenserklärung des amtierenden Landesherren, Graf Gotfried V. von Ziegenhain, zur Stadt mit besonderen Rechten erhoben (Marktrecht, Münzrecht, Niedergericht u.a.).

um 1300

Stadtmauer und zwei Stadttore werden errichtet (Schloßtor und Tor beim jetzigen Rathaus).

um 1300

Die im romantischen Baustil errichtete Kapelle wird durch frühgotisches Hauptschiff erweitert. Später wird der spätgotische Chor angebaut. Der wuchtige vierkantige Turm mit runder Kuppel war bereits vor der Erbauung des Hauptschiffes erstellt worden.

Um 1400

Durch Zuzug von Bewohnern umliegender Dörfer muß die Stadtmauer ausgedehnt werden. Wie weitere Stadttore werden gebaut (Albshäuser- und Schmaleichertor). Das Rathaustor wird als neues Tor zur unteren Marktgasse verlegt.

1420

Nach Einführung der Reformation werden Heiligenstatuen und –bilder aus der Kirche entfernt, vermutlich auch der mittlere Teil des Flügelaltars. Die Mutter-Gottesstatue mit dem Jesuskind (Madonna auf der Mondsichel) bleibt erhalten.

1450

Nach dem Aussterben der Grafenlinie von Ziegenhain geht der gesamte Besitz an den hessischen Landgrafen, Ludwig I., über. Amt und Stadt Rauschenberg werden nun hessisch.

In den folgenden Jahren wird die Burg auf dem Schloßberg zum Jagdschloß der hessischen Landgrafen ausgebaut.

1478

Ludwig, der Sohn des Landgrafen Heinrich III., stirbt auf dem Schloß, weil er sich zu sehr geschnürt hatte.

1500

Landgraf Wilhelm III. stirbt in Rauschenberg nach einem Jagdunfall. Nach ihm wurde der 148 am Marburger Landgrafenschloß begonnene Anbau „der Wilhelsbau“ benannt.

1507

1515

1529

Verheerende Brände vernichten größere Teile der Stadt.
1557/58

Das Fachwerkrathaus wird erbaut.

1566

Ein steinerner Treppenturm wird an das Rathaus angebaut.

1625

Rauschenberg leidet unter den Lasten des dreißigjährigen Krieges. Aus Geldnot muß die Stadt die „Damgärten“ verkaufen.

1631

Der Waldteil „die Bentze“ muß ebenfalls verkauft weden.

1639

Schweden zünden die Stadt an. Borngasse, Rosengasse, Marktgasse und Blaue Pfütze brennen ab.

1642

Der schwedische General Königsmark erpreßt von Stadt und Amt Rauschenberg eine Kriegssteuer in Höhe von 10.000 Gulden.

1646

Die Rauschenberger Schloßbesatzung unter Befehl des niederhessischen Generals Geiso muß vor dem anrückenden kaiserlich- bayrisch Heer fliehen. Geisos Oberst Motz erhält den Befehl das Schloß anzuzünden und den Rundturm zu sprengen. Seitdem ist das Jagdschloß hessischer Fürsten eine Ruine.

1756/63

Einquartierung durch französische Truppen bringen erneut Not und Elend über die Bürger.

1770

Die Einwohnerzahl Rauschenbergs beträgt 954 Personen.

1784

Bau einer Wasserleitung von „Auf der Waschbach“ über „Auf den Röhren – Röhrengärten“ zum Marktbrunnen.

1776/83

42 Rauschenberger nehmen am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teil.

1806

Im neugebildeten „Königreich Westfalen“ wird Rauschenberg Kantons-Hauptort im Distrikt Marburg des Wera- Departments.

1809

Gefangene Schillsche Offiziere werden auf ihrem Marsch nach Wesel eine Nacht in Rauschenberg einquartiert.

1830

Die jüdischen Einwohner errichten auf der „Wilden Struth“ einen eigenen Friedhof

1834

Die Einwohnerzahl Rauschenbergs betragt 1.449.

1841

Die Zehntabgabe wird abgelöst. Das Ablösekapital beträgt 11.521 Reichstaler, 17 Groschen und 10 Heller.

1841

Zur Verbesserung des Feuerlöschwesens wird von der Fa. Henschel in Kassel die erste größere Feuerspritze angeschafft. Kosten: 360 Taler.

1850

Zweispännige, sechssitzige Personenpost von Kirchhain nach Rauschenberg und zurück wird eingerichtet.

1852

Die Einwohnerzahl Rauschenbergs beträgt 1.618 Personen (höchster Personenstand des Jahrhunderts).

1854/55

30 Rauschenberger Kinder sterben an „Halsbräune“ (Diphtherie).

1858

In der Rosengasse errichten die jüdischen Bewohner eine Synagoge (Beetraum).

1866

Am 2. Oktober wird Rauschenberg preußisch. Der Bürger Bromm wird Vertreter im preußischen Abgeordnetenhaus.

1866

Die städtische Sparkasse Rauschenberg wird als Spar- und Leihkasse gegründet.

1900

Rauschenberg erhält eine neuzeitliche Wasserleitung.

1906

Durch eine Stiftung des Fabrikanten Salzmann aus Kassel wird die Stadtkirche gründlich renoviert.

1914

Erbauung der Wohratalbahn. Eröffnung am 30. April.

1925

In Rauschenberg wird eine gewerbliche Berufsschule errichtet.

1926

Das seit 1840 bestehende Postamt wird aufgelöst und in eine Postagentur umgewandelt.

1932

Das Amtsgericht wird aufgelöst.

1933

Die 1866 als Spar- und Leihkasse gegründete „Städt. Sparkasse“ wird zur Zweigstelle der Kreissparkasse umgewandelt.

1933

In der Schule wird der Staatsjugendtag eingeführt.

1933

Auf den „Gerstenäckern“ erfolgte der erste Spatenstich zur Errichtung einer Stadtrandsiedlung.

1939/45

Durch die Kriegsereignisse des zweiten Weltkrieges werden in Rauschenberg etwa 650 Evakuierte, Flüchtlinge und Ausgewiesene aufgenommen.

1939 betrug die Einwohnerzahl 1.122 Personen, 1945 war sie auf 1.800 angewachsen.

1945

Amerikanische Truppen besetzen Rauschenberg. Sie beschießen vorher mit Panzergeschützen in die Stadt. Verschiedene Häuser werden getroffen, dabei brennt die Damm’sche Scheune in der Kraftgasse nieder.

1945

Traurige Bilanz der Kriegsopfer des zweiten Weltkrieges im kleinen Rauschenberg: 10 Gefallene, 33 Vermißte und 18 Verstorbene; dazu kommen noch eine Vielzahl von Verwundeten mit körperlichen und gesundheitlichen Dauerschäden.

1947

Auf dem Schloßberg wird ein Sportplatz angelegt.

1954/55

Das neue Schulhaus wird errichtet. Bau- und Einrichtungskosten betragen rund 350.000 DM.

1955

Auf dem Viehmarkt wird für die freiwillige Feuerwehr ein neues Gerätehaus mit Schlauchtrockenturm errichtet.

1958/59

Zwischen dem ladwirtschaftlichen Anwesen Josbächer und dem Friedhof   wird ein evangelisches Gemeindehaus eingeweiht.

1963

Ein städtisches Freibad wird gebaut. Kosten etwa 400.000 DM.

1966

Rauschenberg feiert seinen 7001 jähriges Stadtjubiläum.

1960/70

Im Nordosten und im Süden der Stadt entstehen zwei ausgedehnte Siedlungsgebiete mit rund 150 Wohnhäusern.

1970

Rauschenberg erhält die staatliche Anerkennung als Luftkurort.

1971

Die ehemals selbstständigen Gemeinden Albshausen, Bracht, Ernsthausen, Josbach, Rauschenberg, Schwabendorf und Wolfskaute schließen sich auf freiwilliger Basis zu einer neuen Stadt mit dem Namen Rauschenberg zusammen. Neue Einwohnerzahl: rund 4.500.

1971

Rauschenberg und der belgische Nordseebadeort Westende/Belgien gründen ein Partnerschaftsverhältnis im Rahmen des europäischen Gedankens.

1976/77

Neben dem Freischwimmbad wird eine neue Sporthalle und 1989/90 eine Außensportanlage geschaffen.

1991

Rauschenberg feiert sein 725 jähriges Stadtjubiläum. Rauschenberg ist eine Stadt mit Tradition. In jahrhundertlangem Fleiß, in unermüdlicher Ausdauer, unter vielen Entbehrungen durch Kriege, Brand und Seuchen, schufen die Bürger ihre Stadt und drückten dieser in Vergangenheit, Gegenwart und sicherlich auch in Zukunft ihren Stempel auf. Diese Stadt darf stolz auf sich du ihre Vergangenheit sein.