Der Rabenstein auf dem Elbesberg bei Rauschenberg

 Museumsschriften Titelbild

Rauschenberger Museumsschriften

Beiträge und Mitteilungen des Rauschenberger Museums zur Geschichte, Landschaft und Volkskunde

1/95

Gerhard Trost

Der Rabenstein auf dem Elbesberg

bei Rauschenberg

Herausgeber: Verkehrs- und Verschönerungsverein

Rauschenberg E.V.

 

Der Rabenstein auf dem Elbesberg bei Rauschenberg

Der Rabenstein liegt auf dem Elbesberg, einem mit Kiefern bestandenen Waldteil südlich der Straße Rauschenberg Schwabendorf. Es ist ein sechseckiger Buntsandsteinfelsen von ca. 4 m Länge und 3 m Breite, der etwa 1 m aus dem Erdreich herausragt. Die Oberfläche ist ungleichmäßig verwittert. Auf der nach Westen hangseitigen Steinfläche befinden sich ca. 40 Vertiefungen (Schälchen), die sich in leichtem Bogen längsseits auf dem Stein entlangziehen. Ferner befindet sich links und rechts der Längsseite je eine Rune. Im Volksmund wird der Stein Rabenstein genannt.

 "Lage des Rabensteines"

 

 

Nach Aussagen von Historikern haben die in ganz Europa verbreiteten Schälchen- oder Näpfchensteine in der Jungsteinzeit bis hin zur Wikingerzeit eine große Rolle bei Kulthandlungen gespielt. Häufig findet man sie zusammen mit Runenzeichen, Sonnenbildern, Radkreuzen, Schiffen, Menschen und Tieren. Bei dem Rabenstein kann man daher davon ausgehen, dass die Schälchen und die Runen durch Menschenhand für die sakralen Handlungen angebracht worden sind.

Ein weiteres spricht noch für eine kultische Stätte, nämlich die Lage des Steines auf dem Elbesberg. Elben, Elfen oder auch Alben werden in der germanischen Mythologie als Zaubergeister hilfreicher, jedoch auch unheilvoller Art gedeutet, die in verschiedenen Gestalten und Funktionen geistern. Opfergaben sind die ältesten und wichtigsten Formen von Kulthandlungen. Sie dienen dem Kontakt zu überirdischen Mächten und dem Glauben an eine Kraftübertragung auf den Opfernden. Es gibt Bitt-, Dank-, Weih-, oder Sühneopfer. Sie sind vielgestaltig und reichen von der Darbietung von Sachen, Speisen, Pflanzen über Tier- bis hin zum Menschenopfer. Letzteres ist das für das Christentum durch den Kreuzestod Jesu das einmalige und endgültige Opfer.

Auch von dem Volksmund genannten Rabenstein, mit Hinweis auf die Rabenvögel (Krähen), kann man diese Bezeichnung so deuten, dass der Aufenthalt der Vögel in der Nähe des Steines von dem Nahrungsangebot der Speiseopfer herrührt. Eine Namensbezeichnung zum Stein ließe sich auch von daher ableiten.

Es lässt sich also von Schälchen und Runen, der Lage auf dem Elbesberg und der Namensbezeichnung Rabenstein ein Zusammenhang folgern, der auf eine germanische Kultstätte deutet.

Kulthandlungen bei unseren germanischen Vorfahren galten der Stärkung ihres menschlichen Lebens, aber auch der Abkehr schadenbringender Gewalten und somit Furcht und Ehrfurcht vor der strafenden und heilspendenden Gottheit. Neben den verschiedensten Kultgegenständen (Bildern, Symbolen, Opfergaben u.a.) gehören nach Feststellung von Historikern auch Schälchensteine zur Aufnahme von Opfergaben, die hier in Form von Nahrungsmitteln, Blumen und auch Münzen dargebracht wurden. Auch könnten solche Gaben den Elfen gegolten haben, die nach damaligen Glauben unter dem Stein wohnten und die man gütig stimmen wollte. Die Vermutung liegt also nahe, den Rabenstein als einen germanischen Opferstein zu deuten.

Was die beiden Runen des Rabensteines betrifft, so ist das Zeichen auf der rechten Seite ein spitzer Winkel, dessen Scheitel hangaufwärts zeigt. Der linke Schenkel überragt den rechten um ca. 1 cm. Diese Rune ist allerdings durch starke Verwitterung nur noch schwer erkennbar. Das Zeichen auf der linken Seite des Steines besteht aus einer senkrechten Geraden von dessen Mitte ein Ast nach rechts schräg aufwärts abzweigt. Da jede der beiden Runen für sich allein steht und sie ca. drei Meter auseinanderliegen, dürften es sich um keine Buchstabenrunen sondern eher um Sinnzeichen handeln.

"linksseitige Rune"        "rechtsseitge Rune"

 

 

Sicherlich gibt es über den Rauschenberger Rabenstein auf dem Elbesberg keine gesicherten wissenschaftlichen oder schriftlich überlieferten Erkenntnisse. Doch dürfte der Stein nach Lage (Elbesberg/Elfenberg), Beschaffenheit (Schälchen, Runen) und auch sprachlicher Überlieferungen (Rabenstein) als ein vorchristliches Heiligtum angesehen werden.

 

Literatur:

 Mannes, Zeitschrift für Vorgeschichte, 39. Jahrgang 1973, Heft 2

Aufsatz von Konrad Müller, Marburg, über den Rabenstein auf dem Elbesberg bei Rauschenberg

Aufsatz von Haye W. Hansen, Schleswig, zur Verbreitung und Bedeutung der Schalensteine

Oberhessische Presse, Ausgabe vom 25.08.1969:

,,Gelb zeigt zum Rabenstein‘‘ Verkehrsverein markiert historischen Wanderweg.

 

 

 

 

 

Der Rabenstein

 

Seitenansicht Rabenstein

 

Vertiefungen Rabenstein