ARADO BELLACHINI Alias WILHELM MANN ILLUSIONIST-ZAUBERKÜNSTLER

 

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Rauschenberger Museumsschriften

Beiträge und Mitteilungen des Rauschenberger Museums

zur Geschichte, Landschaft und Volkskunde

2/1994

Gerhard Trost

ARADO BELLACHINI

Alias WILHELM MANN

ILLUSIONIST-ZAUBERKÜNSTLER

Eine Biografie

Herausgeber: Verkehrs- und Verschönerungsverein

Rauschenberg E.V.

 

ARADO BELLACHINI- alias WILHELM MANN

Die Kunst und die Faszination der Zauberei, die Illusion durch magische Darbietung zu verzaubern, haben ihn von Jugend an beeindruckt und begeistert. Sein Berufsziel war dadurch vorgezeichnet: Illusionist – Zauberkünstler zu werden. Wer war diese Person? Sie hieß WILHELM MANN, war geboren in Rauschenberg und nannte sich mit Künstlername „ARADO BELLACHINI“.

Magische Darbietungen sind wahrscheinlich so alt wie die Menschheit.  Zauberei - Magie – Illusionismus sind kaum voneinander abzugrenzende Begriffe. Historiker vermuten, dass bereits in vorgeschichtlicher Zeit gezaubert wurde. In der späteren Zeitspanne, vom ägyptischen Altertum bis zum Ende des Mittelalters, kann man alle Vorstellungen der Zauberei, vom religiösen Bereich zum Übernatürlichen, in unbegrenzten Variationen, unter der Ausnutzung der menschlichen Einfalt, erleben. Die vielfältigen Mischungsformen der Magie haben zur damaligen Zeit in der Denkweise bei Millionen Menschen Furcht und Schrecken ausgelöst. Auch bestanden zwischen Zauberkunst und Religion enge Beziehungen, die mit zur Verbreitung kirchlicher Ziele herangezogen wurden. Naiver Glaube und finsterer Aberglaube entwickelten sich nebeneinander und haben über Jahrhunderte die Welt beherrscht. Gerade das Mittelalter war geeignet, an übernatürliche Vorstellungen zu glauben, insbesondere hervorgerufen durch Veränderungen der wirtschaftlichen und sozialen Strukturen, durch den Verfall und Untergang der römisch- antiken Kulturwelt, durch Völkerwanderungen u.a. Zu jener Zeit  entstand der Begriff der „Schwarzen Magie“. Gaukler und Zauberer versuchten zu ihrem Vorteil große Massen in ihren Bann zu ziehen, indem sie durch besondere Tricks übernatürliche Fähigkeiten vortäuschten und den Eindruck der Teufel- und Geisterbeherrschung vorgaben mit fatalen Folgen: 

Der damalige Hexenglaube mit seinen schrecklichen Prozessen und Verbrennungen fällt in jene Zeit und wird mit der Zauberei in Verbindung gebracht.

In heutiger Zeit sind solche banalen Denkweisen nicht mehr vorstellbar.

Heute wird die Zauberkunst als Spiel und Unterhaltungsspaß verstanden, zu denen ein Höchstmaß an Konzentration, Verführungskunst, Fingerfertigkeit und Taschenspielertricks gehören. Zauberei ist heute ein amüsantes Gesellschaftsspiel, welches durch wunderbare Illusionen die Menschen beeindrucken und in ihren Bann ziehen kann.

Besonders im 18. Und 19. Jahrhundert war die Magie ein gefragtes Unterhaltungsprogramm. Zaubernummern wurden in Zirkussen, aber auch in eigenen Schaustellerunternehmen mit abendfüllendem Programm vorgeführt. Bedeutende Zauberkünstler faszinierten die Menschen durch beeindruckende Zaubertricks und Kunststücke und gelangten zu weltweiter Bewunderung; so die Italiener Josef Pinetti und Bartolomeo Bosco, die Österreicher Ludwig Leopold Döbler und Nepomuk Hofzinser, der Franzose Robert Houdin und der Pole Samuel Berlach, der sich „BELLACHINI“ nannte, um nur einige zu nennen. 

Wohl keiner aber hat wohl so viele Nachahmer gefunden wie Bellachini, der durch die herrliche Ausstattung seiner Geräte, durch Vorführung seiner Kunststücke und Fingerfertigkeit und durch seine eigene stattliche Erscheinung die Massen faszinierte. Er empfing mehr Ehren und Auszeichnung als irgendein Staatsmann, General oder Wissenschaftler seiner Zeit. Kein zeitgenössischer Monarch versäumte es, ihn auszuzeichnen: vom russischen Zar bis zur Königin Viktoria, vom italienischen bis zum bayrischen König, ganz zu schweigen von den Fürsten all der kleinen Ländern. Er starb 1885 in Parchim. Er war der volkstümlichste Zauberer in Mitteleuropa.

Von ihm mag Wilhelm Mann aus Rauschenberg besonders beeindruckt worden sein als er sich der Zauberkunst zuwendete und sich dann später seinen Namen ARADO BELLACHINI zulegte.

Wilhelm Mann wurde am 1. April 1893, als jüngstes von sechs Kindern, in Rauschenberg geboren. Schon als kleiner Junge interessierte ihn die Zauberkunst und er begeisterte sich für die Artistik.

Mit 14 Jahren wandte sich der künstlerische begabte Junge zunächst der Malerei zu und bevorzugte besonders landschaftliche Motive, die er in der Schweiz, wohin seine Familie übergesiedelt war, verkaufen konnte und sich somit sein erstes Geld verdiente. Seine Malerei war jedoch nur eine Zwischenstation für eine artistische Laufbahn, die seiner beruflichen Vorstellung entsprach.

So ging er mit 16 Jahren zum Schweitzer Nationalzirkus Knie, wo er seine ersten Zaubernummern vorführte.

Lange hielt er es jedoch nicht beim Zirkus aus, er wollte eine eigene Zauberschau gründen. Dies geschah 1913, gerade 20 Jahre alt, ernannte sich nun ARADO BELLACHINI als selbstständiger Illusionist und zog mit einer eigenen abfüllenden Zauberschau durch Europa. Er entwickelte sich zum Varieté-Künstler, der sein Publikum mit seinen Fertigkeiten beeindrucken konnte. Bei seinen Vorstellungen verwandelte er u.a. die Bühne in ein Blumenmeer und verblüffe mit der Illusion der „schwebenden Jungfrau“.

Auf seinen Reisen im hölzernen Zirkuswagen begleitete ihn seine zweite Frau Milly (seine erste Frau war schon früh verstorben) und auch zeitweise sein Kirchhainer Neffe Hans Mann, den er in die Geheimnisse der Magie einweihte.

Später trat dann auch Hans Mann zusammen mit seinem Partner Günter Reich als Artisten Duo ‘‘Zwei Reichsmann‘‘ vor den Zuschauern Arado Bellachinis, auf.

Kurze Zeit wohnte er in Marburg und zog dann in seine Heimatstadt Rauschenberg, wo er am 12. August 1971 starb. Nur 5 Wochen später verstarb auch seine Ehefrau Milly, beide wurden auf dem Rauschenberger Friedhof beerdigt, wo ein Grabstein an das Artistenpaar Bellachini erinnert. Die Grabstätte wird heute von einer Nichte Bellachinis, Frau Martha Nachtigall, geb. Mann, gepflegt.

Eine Foto Dokumentation erinnert heute im Marburger Zirkus- und Varieté- Archiv an Wilhelm Mann, alias ARADO BELLACHINI, aus Rauschenberg.

 

Quellen:

Reich/Mann: Referat „100 Jahre Bellachini“
Seldow:

„Die Kunst Frauen zu zersägen“

Lübbe Vertrag 1964

             

ARADO BELLACHINI

 

Bellachinis Zuschauer mit seiner Frau Milly und den zwei Reichmanns.

Mit dem hölzernen Wohn- und Gerätewagen zog er durch Europa.