Das Marburger Lesefest zu Gast in Bracht

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Und wieder einmal war es ein Lesefest, und was für eines. Die Autorin und Illustratorin Meike Haberstock aus Hannover besuchte die den Verein Bracht aktiv, im städtischen Kindergarten in Bracht, las und zeichnete aus Ihrem Buch „Anton hat Zeit, weiß aber nicht warum“.

Anton ist sechs Jahre alt, geht in die erste Klasse und hat Zeit. Wohnt alleine mit seiner Mama im 4. Stock eines Hauses mit 84 Treppenstufen. Einzelne Stufen Quicken und andere hören sich an, wie Geister oder Gespenster. Anton hat eine tolle Phantasie und viel Zeit. Seine Zeit nutzt er um z.B. seine Kuscheltiere mit der Lieblingscreme seiner Mama einzucremen. 3 Stunden ist exakt die Zeit, die man braucht, um diese Kuscheltiere mithilfe von Waschmaschine und Trockner wieder zu säubern.  Weil Anton viel Zeit hat, nagt er aus einer Toastscheibe einen Hasen, malt darauf mit Marmelade Augen, Ohren und ein Puschel-Schwänzchen um diesen dann genüsslich zu essen. Anton hat Zeit und diese schafft er immer wieder sinnvoll und gewinnbringend einzusetzen.

Ganz anders als seine Mama, die meist drei Dinge gleichzeitig tut. Wieso haben Erwachsene eigentlich nie Zeit und Kinder immer? Und warum kann man Zeit nicht zusammenzählen wie Murmeln?

Seine Mutter findet das alles nicht notwendig und signalisiert ihm mit Sätzen wie „Himmel, wo ist nur die Zeit geblieben!“ oder „hast Du mal auf die Uhr gesehen?“, dass es mal wieder allerhöchste Eisenbahn wird. Dabei, hat Anton herausgefunden, gibt es genau zwei Alarmstufen. Alarmstufe 1 – die er ebenso wenig auslösen möchte wie Alarmstufe 2 – geht ja noch. Und an manchen Morgen, wenn sie gut in der Zeit liegen, dann gehen sie die vielen Stockwerke von ihrer Wohnung plaudernd und lachend hinunter; wenn es ganz arg kommt, schweigen sie, erstmal. Doch dann ist da plötzlich Alarmstufe 3 und an diesem einen Morgen schimpft Antons Mama die ganze Zeit so doll mit Anton, dass er wieder den Kugelfisch im Bauch bekommt, der sich immer mehr aufbläht und ihn ganz furchtbar mit seinen Stacheln piekst. Mama, spuckt so viele kleine Bläschen aus dem Mund, dass man diese gar nicht zählen kann, und Anton fragt sich, wo diese wohl auf ihrem langen Weg das Treppenhaus hinab, landen werden.

Die Lesung wurde mit Bildern aus dem Buch immer wieder untermalt. Die über hundert Illustrationen zeichnete Meike Haberstock alle alleine, so dauerte ihr Erstlingswerk ungefähr ein Jahr, das genau die Zeit ist, in der man Geburtstag hat, Weihnachten ist, Ostern kommt, noch ein paar weitere Feste und dann wieder der Geburtstag kommt.

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Meike Haberstock schreibt über sich auf Ihrer Homepage:

„Mit einem Stift kann man schreiben, zeichnen oder sich auch mal gut am Rücken kratzen. Und da ich all das gerne mache, habe ich meistens einen Stift in der Hand.
Das Schreiben und Zeichnen mache ich aus beruflichen Gründen, das Kratzen nur als Hobby. Geboren wurde ich 1976 im westfälischen Münster, meine Studiengänge habe ich in Kiel und Berlin abgebrochen und Kinderbücher schreibe und illustriere ich nun in Hannover, wo ich seit ein paar Jahren mit meinem Mann und meinen drei Kindern lebe. Die vielen Jahre dazwischen arbeitete ich als „Creative Director“ in der Werbung in ganz Deutschland. Mittlerweile arbeite ich ausschließlich als Autorin und Illustratorin. Und das bedeutet, dass ich mir den lieben, langen Tag herrlichen Unfug ausdenken darf. Gut, das tun eine Menge Leute, aber die würden das im Gegensatz zu mir nie zugeben. Ich hingegen erzähle recht gern lustig-verrückte Geschichten – ob in Büchern, mit Bildern oder bei Lesungen vor Publikum. Hauptsache, ich vergesse meinen Stift nicht!“

Das Buch „Anton hat Zeit, weiß aber nicht warum“ ist nicht nur für kleine Leser geeignet sondern hält auch für manch Erwachsenen noch die eine oder andere Überraschung bereit.

Es war ein besonders kurzweiliger Lesenachmittag in Bracht und obgleich die Autorin krank war konnte sie den Kindern noch zeigen, wie schnell so ein Anton gezeichnet werden kann. Auch den wissbegierigen Kindern stand Sie Rede und Antwort. Bracht aktiv, ist auch diesmal wieder ein Lese - High Light gelungen. Der Verein übernahm wie in jeden Jahr die Finanzierung und hat so über 30 Kinder und Erwachsene ein unvergessliches Erlebnis beschert.