Ein ereignisreiches Jahr des Schwabendorfer Arbeitskreises

Der Arbeitskreis "Hugenotten- und Waldensergeschichte Schwabendorf e.V." blickt auf ein arbeitsintensives Jahr 2017 zurück. Im Februar wurde auf der Jahreshauptversammlung der bisherige Vorstand einmütig wiedergewählt: als Vorsitzende Bernhard Böttge und Hans-Jürgen Vincon, als Kassiererin Helga Pfanzler, als Schriftführer Friedhelm Haar und als Beisitzer Sigi Reekers, Helmut Hampach und Roland Pfanzler.

Das Veranstaltungs-Programm für 2017 wurde vom Vorstand dann vorgestellt und von den Mitgliedern mit weiteren Vorschlägen ergänzt. Im Mittelpunkt der Planung stand der "Schwabendorfer Museumssommer": die Öffnungszeiten des Dorfmuseums "Daniel Martin" in der Winterseite wurden in den Monaten Mai bis August mit besonderen Vortragsveranstaltungen erweitert. Im Mai führte Pfarrer i.R. Hans Kellner mit vielen Informationen und Bildern in das umfangreiche Werk der Künstlerin Johanna Schütz-Wolff ein, die mit ihrem Ehemann Pfarrer Prof. Dr. Paul Schütz von 1925 bis 1940 in Schwabendorf lebte und mitunter durch die nationalsozialistischen Behörden unter Druck geriet, weil ihre Kunst als "entartet" galt. Noch heute erinnert das Buntglasfenster im Chorraum der Schwabendorfer Kirche an die Künstlerin: sie hat das Motiv "Der auferstandene Christus" im Jahre 1955 entworfen.

Im Juni nahm Schwabendorf mit einem Bildvortrag am Kreismuseumssonntag zum Thema "Kopf und Kragen" teil.

Im Juli feierte Schwabendorf mit Beteiligung von Posaunenchor, Gesangsverein, Landfrauen und Arbeitskreis sein 330jähriges Bestehen (Gründung durch hugenottisch-waldensische Glaubensflüchtlinge am 4. Juli 1687) mit einem festlichen Gottesdienst und einem Festvortrag zu Johannes Calvin, dem französischen Reformator.

Das Thema "500 Jahre Reformation 1517 - 2017" bestimmte auch die abschließende Veranstaltung des Museumssommers im August. Der AK-Vorsitzende Bernhard Böttge informierte über das Verhältnis Martin Luthers zu den Hugenotten und Waldensern im Zeitalter der Reformation. Nach den Veranstaltungen wurde eingeladen zu Kaffee und Kuchen, was die Gäste gern in großer Zahl wahrnahmen - vor allem natürlich bei der Veranstaltung im Juli, wo die Schwabendorfer Landfrauen besonders schmackhaftes Gebäck anboten. Insgesamt waren diese Veranstaltungen so gut besucht, dass der Arbeitskreis-Vorstand plant, sie auch im kommenden Jahr weiterzuführen. Auch die übrigen Öffnungen des Museums (immer am 3. Sonntag eines Monats von März bis November) führten zahlreiche Gäste nach Schwabendorf; eine Reihe von besonderen Gruppen-Führungen außerhalb der Öffnungszeiten fanden ebenfalls statt.

Im Oktober fand die Wanderung von Schwabendorf nach Rauschenberg und über die Wolfskaute zurück nach Schwabendorf statt. Dieser Rundweg ist ein Teilabschnitt der Anbindung von Frankenhain an die Wegschleife des internationalen Kulturfernwanderweges „Hugenotten- und Waldenserpfad“ in Schwabendorf, der in Südfrankreich und in den Tälern der Waldenser im italienischen Piemont beginnt und durch die Schweiz und Süddeutschland bis nach Bad Karlshafen führt.

Vielen Autofahrern werden in diesem Jahr an der Bundesstraße 3 im Bereich der "Schönen Aussicht" die neuen Hinweisschilder "Hugenotten-Gedächtniskirche" aufgefallen sein - sie wurden auf Initiative des Arbeitskreises nach einer entsprechenden Vereinbarung mit dem Landkreis und "Hessen-Mobil" aufgestellt. Damit wird auf die Schwabendorfer Kirche aufmerksam gemacht, die vor allem wegen ihrer Kunstwerke in Hessen einmalig ist und als durchgängig "offene Kirche" zum Verweilen einlädt. Aus diesem Anlass hat der Arbeitskreis in Absprache mit der Kirchengemeinde ein Faltblatt erarbeitet, das die Besucherinnen und Besucher über die Baugeschichte der Kirche und ihre Kunstwerke von Karl Leyhausen (Gemälde "David und Goliath"), Gerhard Marks (Bronzestatue "Heiliger Georg") und Johanna Schütz-Wolff (Glasfenster "Auferstandener Christus") informiert.

Auch ein neues Faltblatt "Sehenswertes in Schwabendorf" wurde entwickelt, das Informationen zu Museum, Dorfschmiede und besonders interessanten Häusern in Schwabendorf enthält - zugleich mit einem Dorfplan, der die hugenottische Ortsanlage deutlich macht, die in Schwabendorf noch heute gut erkennbar ist. Beide Blätter liegen in Kirche und Museum zur kostenlosen Mitnahme bereit. Auch neue innerörtliche Hinweisschilder sind inzwischen auf Initiative des Arbeitskreises in Absprache mit der Stadt Rauschenberg angebracht worden.

Über das gesamte Jahr wurde im Ausstellungsraum des Museums die vom Arbeitskreis zusammengestellte Sonderausstellung "Dorferneuerung Schwabendorf" gezeigt. Sie wird nun in der "stillen Zeit" vom 1. Advent über Weihnachten bis über den Jahreswechsel hinaus wieder von der schon traditionellen "Provencalischen Weihnachtskrippe" abgelöst, die Gerhard Badouin mit Originalfiguren aus Südfrankreich gestaltet hat. Sie ist durchgängig bis zum 06. Januar im Ausstellungsraum des Museums in der Winterseite zu sehen und wird allabendlich eindrucksvoll beleuchtet. (B.Böttge)