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Grußwort des Bürgermeisters

Bürgermeister Michael Emmerich

 

Liebe Internetnutzer, ich heiße Sie herzlich Willkommen auf den Seiten der Stadt Rauschenberg, der Familienstadt mit Herz. Weiter

Amerikanische Spurensuche

P1030657Zwischen den Jahren besuchte die amerikanische Schülerin Linnea Eberly aus Princeton, New Jersey, USA, ganz gezielt unser Städtchen Rauschenberg. Sie war auf der Suche nach dem „Graebe-Stein“, der von Hiesigen auch „Försterstein“ genannt wird.

Im Jahr 2008 waren deutsche Verwandte bei einem Spaziergang durch unseren Schlossberg zufällig auf die Stele gestoßen, die folgende Inschrift trägt: „Zum Andenken an den Pfleger dieser Anlage Revier-Förster Carl Emil Graebe errichtet von seinen Freunden 1857“.

Der Familienname war es, der das Interesse weckte und inner-familiär zu Nachforschungen anregte und tatsächlich herausgefunden wurde, das Carl Emil Graebe ein Vorfahre war. Dann schlummerte diese Erkenntnis wieder.

In diesem Jahr nun, 159 Jahre nach der Setzung des Denkmales, also ca. 6 Generationen später, nimmt sich die amerikanische Schülerin Linnea Eberly vor, in  einem Kurzfilm – als schulische Projektarbeit (Titel: ‚Auf Spurensuche eines meiner Vorfahren aus Deutschland.“) eine Dokumentation zu erstellen.

Ein Hilfeersuchen erreichte Ludwig Pigulla, Mitglied der InteressenGemeinschaft Schloßberg/Historischer Arbeitskreis der Stadt Rauschenberg, per Internet mit der Bitte, einen Besuch des Denkmals vorzubereiten und im Vorfeld weitere Recherchen zu diesem Gedenkstein zusammen zu tragen. Verschiedene Interview-partner sollten als roter Faden zu dem tatsächlichen Ort hinführen.

So wurden also historische Quellen durchforstet und die einschlägigen Chroniken der Stadt Rauschenberg von Wagner/ Stock, Eduard Bromm und Friedrich Prüser gesichtet. Neue, sachbezogene Informationen durch Dipl.-Archivar Helmut Klingelhöfer, ebenfalls Mitglied der IG, ergänzten das Persönlichkeitsbild des Gesuchten.

Interviewpartner und Locations standen als bald fest, der Platz am ‚Försterstein‘ von Herbstblättern frei gerecht, um einladend zu wirken.

Am Weihnachtsdienstag flog Linnea in Begleitung ihrer Mutter über Hamburg bei Sturmwetter ein und beide schlugen sich mit der Bahn bis Kirchhain Bez. Cassel (vormalige Schreibweise) durch.

Der Nachmittag galt der filmtechnischen Absprache und führte dabei durch die Stadt (Oberförsterei) ins Rathaus-Museum, wobei das Drehbuch der Interviewpartner und Locations festgezurrt wurde.

Begeistert von der spätmittelalterlichen Fachwerkbausubstanz und den historischen Erläuterungen bei der Stadtführung freute sich die Schülerin auf den „Drehtag“.

Dieser begann mit der ersten Befragung vor dem steinernen Treppenturm des Rathauses aus der Zeit der Renaissance (Stein-metz Philipp Soltan 1666) und führte filmbegleitet ins Museum der Stadt. Als Interviewpartner führte Ludwig Pigulla die Schülerin in die politische Situation Hessens bzw. Deutschlands in der Zeit der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts ein, der Wirkungszeit des Revierförsters C.E. Graebe in Rauschenberg.

 

 

Es ist die Zeit der Freiheitskämpfe der Bürger gegen Fürsten für die die Schlagwörter „Wartburgfest 1817“, Georg Büchner (1813 – 1837), Friedrich List (1789 – 1846), das „Hambacher Fest 1832“ und die 1. deutsche Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche (18.Mai 1848) stehen.

C.E. Graebe schuf  hier in hervorragender Weise mit seinen Freunden den „Schloßberg-Park“ mit seinen Anlagen und großzügigen Wegeführungen. Dazu sei als Literaturquelle Friedrich Prüser (1966) zitiert, der treffend die gestalterische Stärke des aufkommenden Selbstbewusstseins des städtischen Bürgertums umschreibt: „Das ist in doppelter Beziehung ein Denkmal, einmal der Freundschaft und dann des Gemeinnutzes. Der Freundschaft: sie sind nicht genannt, die Freunde des alten wackeren Revierförsters, wohl des Mannes, dem die Hege am Berg unterstand. Revierförster hin, Revierförster her: die Titel haben sich im Laufe der Jahrzehnte im gegenseitigen Wettbewerb gehoben. Jedenfalls war der Revierförster von damals ein angesehener Mann, und dieser hatte ein weites und großes Herz für seinen Wald: über die Maßen muß er es gehabt haben; denn sonst hätten ihm die Freunde wohl kaum dieses Denkmal gesetzt. Das größere ist wohl der Wald selber gewesen: gewiß hat er ihn durch Anpflanzungen gemehrt, Wege gebaut, Durchblicke schlagen, Ruhebänke setzen, an entlegener Stelle vielleicht gar eine Schutzhütte errichten lassen. Er hat nicht nur den Wald gepflegt, sondern auch das, was im grünen Revier kreucht und fleucht. Eine glückliche, gütige Hand hat er gehabt und Ideen, vor allem die eine, große: der Natur zu helfen, aus dem wilden Wuchs eine schöne Anlage zu machen, in der sich jedermann ergehen und gesund werden könnte, an Leib und Seele gesund, wenn ihm der Sinn danach stünde. Gedacht, gesagt, getan: die Anlage am Schloßberg ist in der Hauptsache wohl das Werk dieses Mannes gewesen. Wir vereinen uns mit seinen Freunden, ihm dafür den schuldigen Dank zu sagen.

Seine Freunde? Wer sind sie gewesen, die sich hier verhüllt melden? Wir sagten schon, daß der Revierförster ein wohlgelittener, angesehener Mann gewesen sein muß, der gewiß zu den „Honoratioren“ des Städtchens gehörte. Und sie, der Bürgermeister, der Arzt, der Apotheker, vielleicht gar der oder die Lehrer, der Richter an dem in der Stadt verbliebenen Gericht – es müßte der letzte der Justizamtmänner kurhessischer Zeit gewesen sein - , hatten untereinander ihre Freundschaften, ihre Zusammenkünfte, freudvoll und leidvoll, aber mehr der ersten Art, und da mag in solchem Kreis der Gedanke geboren worden sein, für den Wald am Schloßberg mehr zu tun als das, was als Försterpflicht geboten war. Dieser ganze Freundeskreis wird das Werk getragen haben, das so schöne Früchte zeitigen sollte. Wir können uns von diesem Stein der Freundschaft aus also einen tiefen Blick in die Seele des Städtchens in der Zeit vor gut hundert Jahren tun. Ja, es muß dieser Gedanke noch weiter ausgestrahlt haben, in die Kreise der eigentlichen Bürgerschaft hinein.

Auf keinen Fall dürfen wir sie als einzige dumpfe Masse vorstellen, die im gleichbleibenden Dunkel eines gedrückten Ackerbürgertums oder Kleinleutekaufmanns erstickt wäre. Rege Geister hat es in Hessen zu allen Zeiten gegeben, auch in der breiten Menge der Bevölkerung, und gar nicht selten sind die Fälle, wo aus ihr ein bedeutender Geist emporgewachsen ist. In dem selben Jahr, in dem  die Rauschenberger ihrem Förster Graebe  dieses Denkmal unterhalb der Schloßhöhe setzten, ………“

Regietechnisch führte der Weg zur nächsten, gleichaltrigen Interviewpartnerin in die Bahnhofstrasse. Hier vermittelte in gepflegtem Englisch die Schülerin Paula Tinnemann neust gefundene Sachinformationen: So wurde der ‚Reitende Förster‘ Carl Emil Graebe, oft auch ‚Grebe‘ in den Akten geschrieben, vom Dienstsitz im Revier Bischofferode/Spangenberg nach Rauschenberg versetzt, wo er nun den geänderten Diensttitel „Revierförster“ trug.  Im Jahre 1858 wird diese Stelle als unbesetzt vermeldet. Die Antwort darauf ist dem Text des Försterstein´s zu entnehmen.

Nach einem Rundgang auf dem Rathausturm mit beeindruckendem Blick auf das weihnachtlich beleuchtete Städtchen wartete eine neue Interviewpartnerin auf Linnea und führte sie endlich zum Zielort ihres Besuches. Die Verwandte, die 2008 den Stein für ihre Familie wieder entdeckt hatte, berichtete vor Ort. Eine ehrfürchtige Stille trat plötzlich auf, weil das Ziel der weiten Anreise und des Films erreicht war. Der Mensch Carl Emil Graebe schien plötzlich ganz nah zu sein.

 

Dankbar und sichtbar glücklich stieg die „kleine Forschergesellschaft“ noch zu der Schlossruine auf und bemerkte, dass der ehemals so gepflegte Schloßberg-Park nicht mehr zu sonntäglichen Erholungsspaziergängen einlädt, wie er dies über 150 Jahre für die Rauschenberger und Kurgäste tat, als die Stadt auch noch das Prädikat „staatlich anerkannter Luftkurort“ trug, auch wegen diesem von Carl Emil Graebe angelegten Naturerholungsort.

 

-         Text und Bild Ludwig Pigulla -